Am 5. Oktober 2026 hatten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10a und 10b/11s die Gelegenheit, am 8. ACHAVA-Schülerforum im Thüringer Landtag in Erfurt teilzunehmen. Nach der Ansprache des Thüringer Landtagspräsidenten Dr. Thadäus König sprachen auch zwei Überlebende der Shoah zu rund 300 geladenen Schülerinnen und Schülern aus ganz Thüringen. Anschließend fanden verschiedene Workshops und Vorträge statt.
Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule nahmen an einem Vortrag von Lady Milena Grenfell-Baines teil. Sie war eines von mehr als 600 Kindern, die 1938 von dem Briten Nicholas Winton gerettet wurden. Er organisierte einen Kindertransport von Prag nach London. Besonders bewegend waren ihre Erinnerungen daran, wie sie im Alter von neun Jahren gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester am Bahnhof zum letzten Mal ihre Mutter sah. Sie berichtete von der Machtübernahme der Nationalsozialisten in der damaligen Tschechoslowakei und von der Gefahr, die von ihnen ausging. Außerdem sprach sie davon, dass der Mut eines einzigen Mannes ihr und weiteren Kindern das Überleben trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ermöglichte.
Eindrücklich war auch der Vortrag des Pianisten Prof. Dr. Jascha Nemtsov. Er stellte das Schicksal berühmter europäischer jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts vor, darunter beispielsweise Arthur Vincent Lourié, Władysław Szpilman und Alexander Weprik, die während des Nationalsozialismus und Stalinismus verfolgt wurden. Seit vielen Jahren sucht er in Archiven weltweit nach den Werken dieser Musiker und Komponisten, um sie wieder aufzuführen. Im Plenarsaal ließ er ihre Stücke am Flügel erklingen.
Die ACHAVA Festspiele Thüringen sind ein jüdisch-interkulturelles Festival, das seit 2015 jährlich im Herbst in ganz Thüringen stattfindet. „Achava“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Brüderlichkeit. Das Festival möchte die interreligiöse und interkulturelle Verständigung fördern.
MDR Beitrag zum Anschauen: